Der Bau der Genezareth-Kirche
Immer mehr machte sich das Bedürfnis nach einem eigenen Gotteshause in Erkner geltend. Schon 1873 wurden deswegen Verhandlungen seitens des Landratsamtes aufgenommen, aber zunächst ohne Erfolg. Auch spätere Bemühungen führten noch nicht zum Ziel, bis am 2. Juli 1895 die damalige Kaiserin Auguste Viktoria auf Bitten der Gemeinde das Protektorat über den Kirchbau übernahm. Und nun ging die Angelegenheit des Kirchenbaues rüstig vorwärts. Am 18. Juli 1895 wurde unter dem Vorsitz des Amtsvorstehers von Busse und des Pfarrers Lamprecht von Woltersdorf ein Kirchenbauverein gegründet, der sofort eine rege Tätigkeit entfaltete. Commerzienrath Bechstein schenkt das Flurstück und ein Kapital zum Bau einer Kirche.Am 8. Dezember 1895 wurde nach einem von General-Superintendent D. Dryander im Brodt’schen Gesellschaftshause in Erkner abgehaltenen Gottesdienste von den vollzählig versammelten Mitgliedern der politischen und kirchlichen Gemeinde zusammen mit den Vertretern der Kaiserin und der Staats- und Kirchenbehörden einstimmig beschlossen, ohne Verzug mit den Vorbereitungen zum Kirchenbau zu beginnen und die Grundsteinlegung für den 4. Mai 1896, die Einweihung für den Herbst 1897 in Aussicht zu nehmen. Techn. Zeichnung, Entworfen und gezeichnet Potsdam 1896 von Stiedemann
Mit der Ausführung der Pläne und der Bauleitung wurde dann der Geheime Regierungs- und Baurat von Tiedemann beauftragt. Er legte die Pläne dem Kaiser und der Kaiserin vor, die sie genehmigten. Am 28. April 1896 wurde dann mit dem Bau begonnen. Die Bauausführung lag in den Händen des Regierungsbaumeisters Leibnitz.
Die Grundsteinlegung am 4. Mai 1896
Die Kirche sollte als neogotischer Backsteinbau mit einem Sockel von Rüdersdorfer Kalksteinen in roten Ziegeln mit dreispitzigem Turm ausgeführt werden und 700 Sitzplätze erhalten. Der schön gelegene Bauplatz ist ein Geschenk des Kommerzienrates Bechstein. Am Montag, dem 4. Mai 1896, fand dann die Grundsteinlegung der Kirche statt. Die Festrede hielt General-Superintendent D. Dryander über 1. Kor. 3,11: "Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus." - Es ist wohl nicht unangebracht, wenn wir uns in der heutigen Gegenwart gerade dieses Wort wieder eindringlich zu Herzen nehmen.In den Grundstein wurde eine kupferne Büchse vermauert, in die die auf Pergament geschriebene und von der Kaiserin unterzeichnete Stiftungsurkunde, einige Münzen, Zeitungen und anderes gelegt worden waren. Klempnermeister Spindler verlötete die Büchse, Pfarrer Lamprecht versenkte sie in den Grundstein mit den Worten: "Lobe den Herrn, meine Seele", Bildhauer Pohl hob den Steindeckel darauf und Maurermeister Kurfiß vermauerte ihn. Der Stein ist 40 Zentimeter breit, 75 Zentimeter tief und 50 Zentimeter hoch. Von den maßgeblichen Persönlichkeiten wurden die üblichen drei Hammerschläge vollzogen. Die Kelle und der Hammer, die bei der Feier zur Verwendung gelangten, waren würdig ausgestattet und trugen beide in gotischer Schrift das Datum: 4. Mai 1896. Verfertiger war der Schlossermeister Thomas, der sich heute noch deutlich jenes Festtages erinnern wird.
Aus Genezareth - Bote Nr. 8 vom Oktober 1937
Das Richtfest am 22. Oktober 1896
Viel Sorgen machte die Aufbringung des Geldes zum Kirchenbau, der auf 100.000,- Mark veranschlagt war und der schließlich den Anschlag noch um fast 10.000,- Mark überstieg. Doch der Bau schritt rüstig vorwärts. Die Fundamente waren in kurzer Zeit ausgeführt. Das aufgehende Mauerwerk wurde bis Mitte September fertiggestellt und am 22. Oktober 1896, dem Geburtstag der damaligen Kaiserin, wurde das Richtfest gefeiert. Der weitere äußere und der gesamte innere Ausbau wurde im Sommer 1897 bis zum Tage der Einweihung am 24. Oktober 1897 ausgeführt.
Bei der Bauausführung waren größtenteils in Erkner ansässige Handwerksmeister tätig. Die Maurerarbeiten sind von Kurfiß, die Steinmetzarbeiten von Pohl, die Verblend- und Formsteine von den Siegersdorfer Werken, die Zimmererarbeiten von Bruchmann, die Klempnerarbeiten von Spindler, die Schlosserarbeiten von Thomas, die Tischlerarbeiten von Rill, die dazu gehörigen Holzschnitzarbeiten von Böse, die Dachdeckerarbeiten von Neumann, die Malerarbeiten von Leuschner, sämtlich in Erkner.
Zahlreich waren die Spenden, die von Vereinen und Einzelpersonen der neuen Kirche überwiesen wurden. An der Stiftung der Fenster beteiligten sich u. a. die Familien Bechstein, Schelk, Beck, Moldenhauer, Spindler, Boeckler, Liskow, Wichmann, Wiegmann in Erkner. Der große Kronleuchter ist ein Geschenk von Silber in Erkner, eine Krone in der Hauptvorhalle von Thomas in Erkner, der auch den vergoldeten Kirchenschlüssel stiftete. Viele Frauen wetteiferten in der Herstellung von Altar- und Kanzeldecken und anderen Paramenten, so z.B. Frau Kelling, Frl. Meurer, Frau Rill, Frau Zschech, Frau Keßner, Frl. Rathmann. Die Frauenvereinigung Erkner sammelte 6.800,- RM für die innere Einrichtung der Kirche.
Aus Genezareth - Bote Nr. 8 vom Oktober 1937



Hatte es am 4. Mai 1896 bei der Grundsteinlegung geregnet, so war bei der Einweihung am 24. Oktober 1897 das herrlichste Wetter. Um 9 Uhr 35 Minuten traf die damalige Kaiserin in Begleitung des Prinzen Friedrich Heinrich auf dem Bahnhofe ein und wohnte der Einweihung bei, ebenso der Enthüllung des
Die Genezarethkirche, das Gemeindehaus, bestehend aus Luthersaal und den Nebenräumen, sowie das Pfarrhaus in der Löcknitzstrasse - eine gemietete Villa - sind total zerstört. Der Kirchturm ist erhalten geblieben. Das Inventar der oben genannten Gebäude ist bis auf Schreibmaschine, Kirchensteuerkartei und Amtssiegel - diese Gegenstände wurden von dem Rendanten, Herrn Bartneck, gerettet - völlig verbrannt. Die Kirchenbücher im Geldschrank, der im Keller des Pfarrhauses stand, sind sehr stark angekohlt, so daß besonders die unteren Partien, nicht mehr leserlich erscheinen. Mit den Kirchenbüchern sind noch andere wichtige Akten so verkohlt, dass ihr Inhalt kaum zu lesen ist. Ebenso sind auch die Abendmahlsgeräte, die sich im Tresor befanden, im jetzigen Zustand nicht zu gebrauchen.