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Kirchliches Leben

Bericht über das Bestehen der Frauenhilfe zum silbernen Jubiläum 1927

Unsere evangelische Frauenhilfe kann am 26. Mai auf ein 25-jähriges Bestehen zurückblicken. Einige Wochen nach dem Provinzialverband entstanden, hat sie sich aus bescheidenen Anfängen zu einer großen Vereinigung entwickelt. Am 26. Mai 1902 erklärten nach einem Vortrage des Pastors Cremer vom evangelisch-kirchlichen Hilfsverein in Potsdam über Wesen und Zweck der evangelischen Frauenhilfe sämtliche Anwesenden - 42 - sich bereit, einem Verein beizutreten, der den Namen: "Frauenhilfe des evangelisch-kirchlichen Hilfsvereins in Erkner" tragen sollte. 

kirchliches LebenDie 25-jährige Geschichte des neu gegründeten Vereins ist eine Geschichte gesunden und fröhlichen Wachsens und Werdens gewesen. Aus den 42 Mitgliedern am Gründungstage sind 231 geworden. Aus einer Jahreseinnahme von 271,00 Mk. eine solche von 1.925,00 Mk., aus einer Jahresausgabe von 148,00 Mk. eine Ausgabe von 1.817,00 Mk. Während zum ersten Weihnachtsfeste nur 36 Personen bedacht wurden, konnte in den letzten Jahren mehr als 100 Armen und Alten, Kranken und Einsamen ein Licht weihnachtlicher Freude angezündet werden.

Auch zeigt das äußere Bild des Vereinslebens eine erfreuliche Weiterentwicklung. In den ersten Jahren fanden die Mitgliederversammlungen nach Bedarf ohne bestimmte Regelmäßigkeit, alsdann vierteljährlich einmal statt. Seit 1920 sind monatliche Zusammenkünfte zur Regel geworden. Und während in den ersten Jahren des Bestehens der geringe Besuch der Mitgliederversammlungen oft beklagt werden musste, hat sich der Besuch so gehoben, dass meistens der vierte Teil der Mitglieder und darüber anwesend ist. 

Der Dienst der Frauenhilfe in der Gemeinde ist vor allem Samariterdienst an Kranken und Armen, den Alten und Einsamen gewesen. Wie manchem von Krankheit und Mangel bedrückten Herzen hat sie eingedenk des Heilandswortes: "Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan" Linderung und Erquickung bieten können! Von wie vielen werden ihre Gaben und Dienste als Wohltat, ja als Trost empfunden worden sein! Wie hat sie die durch unseren Ort hinausreisenden Krieger erquickt, den Vätern und Söhnen unserer Gemeinde so manchen Gruß und so manche Gabe der Liebe ins Feld gesandt und der Zurückgebliebenen sich hilfreich angenommen! Aber keineswegs erschöpft sich der Dienst der Frauenhilfe in der Linderung und Minderung äußerer Nöte. Sie hat auch am Aufbau und Ausbau der Gemeinde treulich mitgearbeitet. Der am 1. Mai 1902 von der Kirchgemeinde begründeten Diakonissenstation hat sie von ihrer Entstehung an die größte Fürsorge zugewendet und dadurch deren Erhaltung zum Segen der Gemeinde ermöglicht. 

Die Sammlung und der Zusammenschluss der jungen Mädchen der Gemeinde ist bereits bei der ersten General-Versammlung am 14. Mai 1903 beschlossen worden. Aus den damals von der Frauenhilfe eingerichteten Jungfrauen-Abenden unter Leitung der Schwester hat sich als ein fester Bestandteil des kirchlichen Lebens der evangelische Jungmädchenverein entwickelt. Wie die Frauenhilfe die Urheberin ist für die Sammlung der weiblichen Jugend, so hat sie in dem letzten Jahre auch Zusammenkünfte für die Alten eingerichtet, um ihnen einige lichte Stunden am Abend ihres Lebens zu bereiten. 

Der Förderung des religiösen und kirchlichen Lebens sollten die Gemeindeabende mit ihrem ernst-christlichen Charakter, die biblischen Besprechungen und die Vorträge bei den Zusammenkünften und die wiederholt veranstalteten Kirchenkonzerte dienen. Um Frauen und Mädchen für ihren Dienst in Haus und Gemeinde weiter zu bilden, sind Kurse für häusliche Krankenpflege, für Kochen, Nähen und Säuglingspflege veranstaltet worden. 

Durch die ganze Vereinsgeschichte geht der Gedanke der Errichtung eines Kinderhortes hindurch. über 1.000,00 Mk. waren für diesen Zweck schon gesammelt. Sie sind der Inflation zum Opfer gefallen. Auch der Bau eines Gemeindehauses ist im Zusammenhang mit dem Plan zur Errichtung eines Kinderhortes ernstlich beabsichtigt gewesen und beschäftigt seitdem die kirchlichen Gemeindeorgane. 

Die Frauenhilfe hat in den 25 Jahren ihres Bestehens eine große Menge Arbeit getan. Aber hinter allem, was sie getan hat und tun konnte, steht der Herr, aus dessen unerschöpflicher Liebesfülle alle menschliche Liebesarbeit ihre Kraft und ihren Segen empfängt. Und wieviel bleibt noch zu tun, vor allem für die Weckung und Vertiefung des christlichen Glaubens und Lebens im Kreise der Mitglieder wie in der Gemeinde! 

Im Laufe der Jahre haben die Personen im Vorstand und der Mitgliederschaft reichlich gewechselt. Viele sind in die Ewigkeit heimgerufen. Viele sind verzogen. Dankbar sei gedacht des lieben Pastors Barthold, der den Grundstein legte und 8 Jahre lang mit treuer Hingabe den jungen Verein leitete. Sowohl er, wie drei Mitglieder des ersten Vorstandes (Frau Beck, Frau Fenzlau und Frau Redigan) sind bereits heimgerufen worden. Nur noch zwei Vorstandsdamen vom Gründungstag Frau Forstmeister Loeper und Frau Pastor Barthold, sind unter den Lebenden. Mit ihnen werden, so Gott will, folgende 18 christliche Schwestern, welche ununterbrochen 25 Jahre lang treue Mitglieder waren, den silbernen Jubiläumstag feiern: Die Frauen Bernsee, Buchholz, Erdmann, Heilmann, Henning, Krüger (Bahnhof), Kusche, Krause, Frau Anna Müller, Moeller, Majoran, Neumann, Pfeil, Linsener, Rill, Rüger, Seidenstücker und Frl. Schramm. 

Der Herr, der die Liebe ist, vergelte alle Treue in der Mitgliedschaft und Mitarbeit. Er segne auch ferner den Dienst der evangelischen Frauen in und an der Gemeinde und gebe Kraft und Gnade zu freudiger Erfüllung der apostolischen Mahnung: "Nehmet immer zu im Werke des Herrn." Aus Genezareth - Bote Nr. 5 vom Mai 1927 

 

Die Einladung zum 40-jährigen Bestehen 1937

Wir laden unsere Erkneraner Gemeinde zum Festgottesdienst am Reformationstage, den 31. Oktober 1937 10 Uhr, zu einem Gedenktag an die Einweihung unserer Genezarethkirche vor 40 Jahren und dem am Abend stattfindenden Gemeindeabend herzlich ein. Ihr seid ja alle mit eurer Kirche eng verbunden. Ihr seid in ihr getauft worden, oder habt Eure Kinder in ihr taufen lassen. Ihr denkt an Euern oder Eurer Kinder Konfirmationstag, an Euern Hochzeitstag und an so manche stille und doch gesegnete Stunde in Euerm Leben. Immer steht da unsere schöne Kirche im Mittelpunkt dieses Erlebens. Am 31. Oktober wollen wir uns alle, Alte und Junge, zusammenfinden, um den Geburtstag unserer Kirche festlich zu begehen. 

Wie wunderbar führt Gott die einzelnen Menschen, wie sehr bedürfen sie seines Segens. Nicht anders steht es um eine Kirchgemeinde. Wollte Gott, dass alle, die zur Kirche in Erkner gehören, dessen stets eingedenk sind und sich auch treu zur Kirche halten. Aus den wenigen Seelen von einst sind in Erkner gegen 7000 geworden. Ob in den Tausenden von heute mehr religiöses Leben steckt als in den Hunderten von einst? Aus Genezareth - Bote Nr. 8/9 vom Okt./Nov. 1937
Ich gedenke an die vorigen Zeiten, ich rede von allen deinen Taten und ich sage von den Werken deiner Hände.

Psalm 143, 5 Ich gedenke an die vorigen Zeiten" - auch unsere Gemeinde rüstet sich für einen besonderen Gedenktag: In diesem Monat werden es 40 Jahre, dass unsere Genezarethkirche feierlich geweiht und ihrer Bestimmung übergeben wurde! Für viele unserer älteren Gemeindeglieder ist dieser Kirchweihtag des Jahres 1897 eine unvergessliche Erinnerung. Doch auch für die Jüngeren und für die später Zugezogenen soll es ein Tag des Gedenkens sein; denn für die meisten unserer Gemeindeglieder ist mit unserer Kirche die Erinnerung an die großen, entscheidenden Stunden ihres Lebens aufs engste verbunden. 

Wieviel Freude und Dankbarkeit hat nicht unser Taufstein schon gesehen! Wieviel junges, hoffnungsvolles Glück hat vor dem Traualtar gekniet!
Wieviel Herzeleid hat unter unserer Kanzel erlösende Tränen gefunden und neue Kraft zum Tragen und Weiterwandern!
Wieviel lebensfrohe Jugend hat von hier aus am Konfirmationstage ihren Weg ins Leben angetreten, begleitet von dem Gebet besorgter Elternherzen!
Wieviel Friede ist bei den Abendmahlsfeiern eingezogen in unruhige, zerrissene Menschenherzen! Wir schnellebigen Menschen vergessen so bald; da ruft uns dieses Kirchweihjubiläum einmal ganz eindringlich zu: Gedenke! Gedenke an all das, was dich mit deiner Kirche verbindet! 

"Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt", so beginnt allsonntäglich unser Kindergottesdienst. Man hat in diesen Jahren Mustersiedlungen gebaut, in denen die Kirche fehlte. Was diesen Siedlungen wirklich fehlt, das wird sich erst im Laufe der Jahre herausstellen, wenn das Leben mit all seinen Härten und Nöten, mit all seinem Leid über ihre Bewohner dahingegangen ist. Dann wird es dort Menschen geben, denen der letzte Trost und die letzte Kraft versagt bleiben. Unser Erkner war ein Dorf ohne eigene Kirche. Jahrzehntelang schien es, als sollte der von der ganzen Gemeinde ersehnte Kirchenbau ein unerfüllbarer Traum bleiben, bis es endlich gelang, die Kaiserin Auguste Viktoria für den Plan zu gewinnen. Da bekam Erkner seine Kirche, die schöne, stattliche Genezarethkirche, und Freude und Dankbarkeit erfüllen die Gemeinde an dem Tage der Kirchweihe, der durch die persönliche Anwesenheit der hohen Stifterin seinen besonderen Glanz erhielt.

Nun war Erkner nicht mehr ein Dorf ohne Kirche, und die Erkneraner hatten ihre Kirche lieb und waren stolz darauf. Heute nach 40 Jahren gedenken wir der vorigen Zeiten, gedenken der kirchenlosen Zeit, gedenken des zähen Ringens unserer Väter um unsere eigene Kirche und gedenken ihrer Freude am Weihetage. Jene wussten aus den langen Jahren kirchlicher Heimatlosigkeit, was ihnen ihre Kirche wert war. Macht uns die Erinnerung daran nicht das Herz warm, dass wir im Gedenken an unsere schöne Kirche einstimmen in das alte Psalmenwort: "Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt"? In dem kleinen Fischerdorf Hoff an der Ostsee stehen hoch oben am äußersten Rand der Steilküste die Reste einer alten schönen Kirche. Ich sah sie vor 15 Jahren; vielleicht sind inzwischen auch die letzten Mauerreste hinabgestürzt ins Meer. Einst stand diese Kirche stark und trotzig da wie die unsere und grüßte mit ihrem Turm weit ins Land und über die See; aber die Wellen nagten jahrhundertelang an der Steilküste und rissen Stück um Stück den Untergrund weg, auf dem jene Kirche einst erbaut worden war; und schließlich musste sie polizeilich gesperrt werden, weil sich Risse in ihren starken Mauern zeigten; und dann genügten ein paar Jahrzehnte, um das Zerstörungswerk zu vollenden. Diese Kirche ohne festen Untergrund redet zu uns eine bildhafte Sprache. Gewiss, unsere Genezarethkirche hat feste Mauern und einen festen Untergrund; da ist keine Gefahr. Aber eine andere Gefahr ist heute deutlich geworden; die droht auch dem festesten Kirchenbau. Es geht ein Gerede durch unser deutsches Volk, als brauchten wir einen neuen Glauben, eine Nationalkirche, in der Christus und sein Kreuz keinen Platz mehr haben. Dieser Kampf gegen Christus gleicht dem Zerstörungswerk, das die Wogen der See an der Kirche von Hoff angerichtet haben. Sie reißen den Untergrund weg, auf dem unsere Kirchen und Gemeinden erbaut sind; und eine Nationalkirche ohne Christus würde gar bald jener versunkenen Ostseekirche gleichen: Sie würde in Schutt und Trümmer sinken, weil ihr der feste Boden fehlt: "Einen anderen Grund kann niemand legen außer den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christ." 

Luther hat, als er 1544 die Schloßkirche in Torgau weihte, in seiner Predigt gesagt: "Das neue Haus soll dahin gerichtet werden, dass nichts anderes darin geschehe, denn dass unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort und wir wiederum mit ihm reden durch Gebet und Lobpreisung." Wir gedenken aber zum Kirchweihtag der vorigen Zeiten, gedenken des einzigen Grundes, auf dem eine christliche Kirche Bestand haben kann, und schließen uns gegenüber all den Versuchen, uns in unserem Glauben wankend zu machen, zusammen in dem Gelöbnis: "Bei diesem Grunde will ich bleiben, solang mich die Erde trägt." Wir gedenken auch der Männer und Frauen, die sich vor 40 Jahren für den Bau der Kirche eingesetzt haben, und vor allem derer, die mitgeholfen haben, sie zu erbauen. Viele von ihnen sind schon längst heimgerufen worden. Diejenigen aber, die noch leben, werden den Tag unseres Kirchenjubiläums mit besonderer Freude in unserer Mitte erleben in dem stolzen Gefühl: "Hier habe auch ich mitgeschafft!" Wir anderen aber gedenken all der treuen, fleißigen Arbeit, all der Liebe und des Eifers, die da am Werke waren; jeder Stein, jedes Fenster, all die köstliche Schnitzerei und die kunstvolle Schmiedearbeit legen Zeugnis davon ab. Doch unsere Gedanken wandern weiter: Der Kirchbau ist im Jahre 1897 vollendet worden; aber der Bau der Gemeinde, der vor 40 Jahren begann, geht weiter. Und wie einst bei der Grundsteinlegung der Genezarethkirche das begonnene Werk dem Segen Gottes befohlen wurde, so stellen wir auch seinen Fortgang für die kommenden Jahre ihm und seiner Gnade anheim; denn wir wissen: "Wo der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen; wo der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst!" Gott der Herr aber segne unsere Genezarethkirche, er segne sein heiliges Wort, das lauter und rein in ihr verkündet wird, er segne und behüte unsere Gemeinde! Amen. 

Die Kollekte des 31. Oktober ist für den Gustav-Adolf-Verein bestimmt. Es ist ein einzigartiges Zusammentreffen, dass an dem Tage, an dem unsere Gemeinde dankbar des Tages gedenkt, an dem ihr die neue, schmucke Kirche geschenkt wurde, eine Kollekte eingesammelt wird, die dazu dienen soll, einer armen deutsch-evangelischen Gemeinde im Ausland die ersehnte Kirche zu schenken. Wir wollen diese Kollekte als ein Dankopfer ansehen, dass wir am Gedenktage unserer eigenen Kircheinweihung freudigen Herzens darbringen. Sie soll am Schluss des Gottesdienstes durch einen Opferumgang der Gemeinde um den Altar dargebracht werden.
Aus Genezareth - Bote Nr. 8 vom Oktober 1937

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